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arrangiert: Steffen Ismer
Sein Blick, begrenzt durch schmale Wände
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es nur noch Wände gäbe
und hinter Wänden keine Welt.

Der vormals stolze Gang aufrechter Schritte,
sich jetzt im allerkleinsten Kreise dreht,
tanzt verzweifelt um die kleinste Mitte,
in der betäubt die große Liebe steht.

Zu viele Runden im Ring gestanden,
eine richtige Chance gab‘s jedoch nicht.
Die Zukunft wird nur noch in Stunden gezählt,
ein Krug, der am trocknen Brunnen zerbricht.

Verloren die einst so freundliche Kraft,

die glücklich durch jeden Tag hat geführt.
Die Abendsonne schon lang nicht mehr wärmt,
Licht, dass am Ende immer dunkler wird.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

sich lautlos auf – Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

nach R. M. Rilke

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Ein fester Griff ins Leere
dem eigenen Trugbild aufgesessen

wir hören die klangfreien Töne unvollendeter Symphonien
wir lesen die wortlosen Texte bruchstückhafter Romane
wir lauschen der schreienden Stille in engen Räumen
wir postulieren einen optimistischen Pessimismus wir führen stumme Reden in fremder Vertrautheit
wir leben die individuelle Gemeinsamkeit
wir versinken in abstoßender Umarmung
wir thematisieren belanglose Probleme
wir zeigen gleichgültiges Interesse
wir erwarten wahrhaftige Lügen
wir spüren die kalte Wärme

Ein zerborstener Krug
am ausgetrockneten Brunnen

Man kann nicht festhalten
was schon lang nicht mehr da ist 

Licht, das am Ende immer dunkler wird

SI

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Was bin ich?
Eine gute Frage
Die richtige Antwort früher 5 Mark gebracht hat

Wer bin ich?
Eine noch bessere Frage
Die richtige Antwort heut ausstehend ist


Ich bin ich.
So hätte ich vor Wochen meine Welt noch gekürt
Ich sind wir.
So hätte ich vor Wochen jeden Kampf geführt
Wir sind ich.
So klingt der Satz heute eher verwirrt


Ich bin nicht mehr ich.
Die Welt in tausende Scherben zersprungen
Den Kampf statt nach außen, nach innen gezwungen
Geister die nachts mich in Träumen heimsuchen
Licht, das am Ende nur dunkler wird

Ich bin nicht mehr ich.
Statt pausenlos Lieder vor mich her zu brummen
Sind alle Töne im Kehlkopf verstummt
Statt fröhlich zu lachen und weiter zu summen
Jetzt Stille den ganzen Kopf vermummt

Ich bin nicht mehr ich.
Die Stille jedoch nicht Ruhe bedeutet
Denn tausend Gedanken zermartern das Hirn
Der eigene Verstand sich selbst verleugnet
Szenarien spielen hinter der Stirn

Ich bin nicht mehr ich.
Konnte ich damals (wie das klingt)
Mit Freude aus dem Fenster schauen
Zu Hause, Heimat und ganz bestimmt
Wäld…

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Der Fuchs und der Skorpion

An einem Fluss treffen sich ein Fuchs und ein Skorpion. Der Skorpion möchte den Fluss überqueren, kann aber nicht schwimmen. Deshalb fragt er den Fuchs, ob er ihn ans andere Ufer bringen könne.


Der Fuchs lehnt ab und sagt: „Schau lieber Skorpion, in meinem Leben habe ich einige von deiner Art kennengelernt. Sobald ich dich auf meinen Rücken lasse, wirst du mich stechen und dann sterbe ich.“


„Da wäre ich ja schön dumm“, antwortet der Skorpion.


„Sobald du stirbst gehst du unter. Und ich mit dir!!! Dann sterben wir beide. Du an meinem Gift und ich würde ertrinken. Daher sei dir gewiss, ich steche dich nicht!“, versichert der Skorpion dem Fuchs.


So ließ sich der Fuchs überreden, vertraute den Worten und verdrängte all seine Erfahrungen. Der Skorpion klettert schnell auf seinen Rücken und die beiden schwimmen los. 


Doch plötzlich, in der Mitte des Flusses, sticht der Skorpion den Fuchs.

Der Fuchs schreit auf: „Skorpion, was hast du getan!? Wieso hast du mich gestochen? …

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Selber zweifelnd bei dem Traum
Brücken immer dort zu bauen
wo das Meer unendlich ist
wo die Strömung tief am Grund
weder Halt für Pfeiler bietet,
noch den guten Ansatzpunkt.

Setze Seile an der hauchdünnen Linie
der endlos entfernten doch vertrauten Fremde
spanne zum Horizont weit die Taue
kenn‘ nur das Ziel, jedoch nicht das Ende.

Lege die Planken zu einen Steg
nehm‘ alles was ich kann und hab
mach daraus den Weg
unter mir schäumt wild die Gischt
hoffe, dass das Holz nicht zerbricht
und auch die teils morschen Trosse halten.

Das Feuer im Herzen treibt mich voran
weiter als ich selbst es wagen würde
weiter als die Sonne ihre Strahlen sendet
ohne einen Schimmer
wo und wie das endet.

Noch während die Brücke sich langsam baute
stieg manch gewaltige Welle empor
zerstörte, auf was ich eben vertraute
hab grinsend den bösen Geist im Ohr.


Seile rissen und Planken brachen
das Meer hat schon zu oft gewonnen
doch aufgeben, das kann ich nicht
beendet wird, was einmal begonnen.

Richte den Blick in die endlose Ferne
schwierig i…

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kein ja, kein nein, noch hoffnungsvoll, Ich nicht (nicht mehr) erkennen kann, was Ich noch tun soll.
Dir geht es ähnlich, denn in unserer not sitzen Wir beide im selben boot
das ab und zu auch zu kentern droht
das auf und ab, im orkan verbleibt und steuerlos in unserem leben treibt.
Wir beide hängen am seidenen faden befüllen mit tränen das eiskalte meer im dunkel der nacht Uns die träume haben es kostet so viel kraft Wir können kaum mehr
die zeit soll es lösen,
doch rettet Uns kein höheres wesen die endlichkeit fordert Uns nun:
Wir müssen selber etwas tun
die wellen schlagen schon über Uns doch mit Dir im boot ertrag' ich jede rauhe see der wind schlägt peitschend ins gesicht doch mit Dir im rücken tut's nur halb so weh
Wir driften, fast schwindet Uns das glück dreh doch die zeit nur ein klein wenig zurück
lass Uns das tun, was Uns immer verband: Gemeinsam die zukunft fest in der hand Gemeinsam mit und gegen den rest träumen, lachen, reden, lieben
und halten dabei einander ganz fest

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für meine Birgit

Ich halte jede Nacht deine Hand
mit dem Wissen: Du hältst mich fest

Ich gebe dir dutzend Küsse am Tag mit dem Wissen: Du gibst mir den einen zurück
Ich streichel dich wie fast zufällig mit dem Wissen: Du tust es immer bewusst
 Ich schmiege mich an dich mit dem Wissen: Du magst mich spüren
Ich schau dich so gerne an mit dem Wissen: Du schaust verliebt zurück
Ich sorge für kleine Aufmerksamkeiten mit dem Wissen: Du wirst auf mich aufmerksam
Ich rede so oft mit dir mit dem Wissen: Meine Worte erreichen dich
Ich gebe dir jede Freiheit, die du magst mit dem Wissen: Du nutzt sie für uns
Ich vertraue dir mein Leben an mit dem Wissen: Du wirst es bewahren
in diesem Wissen liebe ich Dich
Steffen Ismer